Norderstedt reduziert Stellplätze bei Neubau in Garstedt – Anwohner zeigen sich skeptisch
Neubau setzt auf ÖPNV und Mobilitätsalternativen statt auf eigene Stellplätze
In Norderstedt planen die Wohnungsbaugenossenschaft Fluwog-Nordmark und die Stadt ein neues Quartier am Friedrichgabener Weg nahe dem Herold-Center. Auf 43 Wohnungen sind nur 30 Stellplätze vorgesehen, der sogenannte Stellplatzschlüssel liegt damit bei 0,7 pro Wohneinheit. Etwa die Hälfte der Wohnungen soll geförderter Wohnraum werden.
Die Begründung der Genossenschaft und der Stadtverwaltung lautet, dass die zentrale Lage mit guter Anbindung an U-Bahn, ZOB und mehrere Buslinien den Verzicht auf ein eigenes Auto erleichtere. Ergänzt werden sollen die Angebote durch Carsharing und einen Fahrrad-Hub, damit der Umweltverbund gestärkt wird und Bewohnerinnen und Bewohner eher zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind.
Wirtschaftlicher Druck trifft auf Alltagserfahrungen
Für Investoren wie die Fluwog-Nordmark ergeben sich klare Einsparungen: Ein unterirdischer Stellplatz treibt die Baukosten schnell in einen fünfstelligen Bereich. Geplante Parkflächen werden teils oberirdisch, teils in einer niedriger angelegten Garage realisiert, weil das Grundwasser eine tiefe Baugrube erschwert. Kritiker warnen jedoch vor einem verschärften Wettbewerb um die verbleibenden Parkplätze im Quartier, sollten die Bewohnerinnen und Bewohner doch mehr eigene Fahrzeuge besitzen als vorausgesagt.
Ein Anwohner fragte die Verwaltung offen, wo zusätzliche Wagen abgestellt werden sollen, wenn die vorgesehenen Stellplätze nicht ausreichen. Die Stadt verweist auf die einschlägige Landesbauordnung, die den Wert von 0,7 als üblich gelten lässt, sowie auf das angestrebte Mobilitätskonzept, das Bedarfe genauer ermitteln soll.
Städtebauliche Gestaltung und Perspektiven
Geplant sind mehrere Baukörper mit vier Geschossen, an der Kreuzung ein fünfgeschossiges Gebäude und zur östlichen Nachbarschaft hin niedrigere Häuser, um den Übergang zu bestehenden Doppel- und Einfamilienhäusern zu moderieren. Weil dafür ein neuer Bebauungsplan nötig ist, ist das Projekt noch nicht endgültig beschlossen.
Die Debatte in Norderstedt spiegelt einen bundesweiten Trend: Immer häufiger werden Stellplatzschlüssel reduziert, um Flächen effizienter zu nutzen und den Umstieg auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu fördern. Gleichzeitig wächst die Sorge von Anwohnern, dass planerische Annahmen und tatsächliches Mobilitätsverhalten auseinanderfallen könnten.
Ob die Mischung aus zentraler Lage, Carsharing und Fahrradangeboten ausreicht, um den Verzicht auf das eigene Auto dauerhaft zu etablieren, wird sich im weiteren Verlauf des Verfahrens und in der Praxis zeigen.